Zelt oder Burg? Leben Sie in einer veränderbaren Welt oder in der unveränderbaren?

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Manchmal hilft ein Wechsel der Perspektive, um eine Blockade zu überwinden, Alternativen zu finden und sich von einem Problem nicht hypnotisieren zu lassen. Dieser Blog-Artikel ist für alle geeignet, die sich von ihrer momentanen Lebenssituation überfordert oder genervt fühlen oder das Gefühl haben, keinen Ausweg aus einer festgefahrenen Problemlage zu finden.

Wenn Sie...

  • glauben, dass Sie im Augenblick keine andere Wahl haben
  • eine Situation als unerträglich empfinden
  • sich als Opfer der Umstände oder von Menschen fühlen
  • nicht wissen, wo Sie momentan ansetzen können, um etwas zu ändern
  • es leid sind, sich zu beklagen

... dann bringt Sie dieser Artikel weiter.

Die folgende Übung habe ich bei Sylvia K. Wellensiek gelesen und abgewandelt in mein Repertoire übernommen. Probieren Sie die Übung bitte erst aus, bevor Sie weiterlesen. Sie werden überrascht sein.

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Schritt 1: 

Legen Sie am Boden zwei Felder aus und beschriften Sie diese jeweils mit

  • veränderbare Welt
  • unveränderbare Welt

Wenn Sie mögen, setzen Sie einen so genannten „Bodenanker“. Das kann ein Blatt Papier sein, das einen neutralen Platz markiert. Stellen Sie sich selbst zwischendurch auf den neutralen Platz und versuchen, die Außen-Perspektive einzunehmen.

Schritt 2:

Wechseln Sie vom Feld der veränderbaren Welt in die unveränderbare Welt und nehmen Sie wahr, was sich dadurch verändert. Welche Gedanken und Gefühle beschäftigen Sie? Welche Fragen und Themen drängen sich Ihnen auf? Stellen Sie sich zwischendurch immer wieder auf den neutralen Platz. Spüren Sie in beide Felder hinein und achten Sie auf das, was Ihnen Körper, Herz, Verstand und Seele signalisieren.

Schritt 3:

Wenn Sie mögen, beschriften Sie Notizzettel oder Moderationskarten mit Themen, die Sie dem jeweiligen Feld zuordnen. Damit verschaffen Sie sich Klarheit und können die Situation sortieren.

Schritt 4:

Wenn Sie glauben, genug gesammelt zu haben, überlegen Sie, was Sie jetzt tun möchten. Was konkret wollen Sie wie verändern? In welchem Zeitraum genau möchten Sie welche Punkte angehen? Legen Sie eine To-do-Liste an und unterscheiden Sie, was kurz-, mittel- und langfristig möglich ist.

Diese Übung ist eine Momentaufnahme. Es lohnt sich, sie ab und an zu wiederholen, damit Sie sich auf den aktuellen Stand sortieren und Ihre Resilienz stärken.

Interessant ist, dass Menschen zwei Haltungen einnehmen: Entweder gehen sie davon aus, dass gar keine Veränderungen nötig oder nicht möglich sind. Dann betrachten sie die Welt als nicht veränderbar. Oder sie spüren einen diffusen Veränderungsdruck: Sie möchten etwas verändern, wissen aber nicht genau, wo sie ansetzen können.

Bild 1Leistungsorientierte Menschen akzeptieren „unveränderbare Welt“ kaum, sondern suchen gezielt nach Ansätzen, um die Situation zu verändern. Sie werden in aller Regel schnell fündig und sind dabei oft sogar sehr innovativ. Zuversichtliche Menschen sind hoffnungsvoll auf der Suche nach Lösungen, Gestaltungsspielräumen und Handlungsoptionen. Sie sind stolz auf sich, wenn sie welche gefunden haben.

Dagegen reagieren Menschen, die nicht-veränderbare Welten mögen, anders. Sie werden nicht pro-aktiv, sondern verharren im Klagen, Jammern und Grübeln. Ihren Fokus richten sie auf Ängste und Sorgen, auf die bestehenden Probleme und verweisen darauf, dass die Situation nicht veränderbar sei. Das gibt ihnen die Erlaubnis, nichts zu tun und sich zu schonen. Sie erstarren in der Situation und entwickeln oft eine ausgeprägte Trägheit und Bequemlichkeit.

Bild 2Im Gegensatz dazu schieben Menschen, die sich auf die unveränderbare Welt berufen, nur „Dienst nach Vorschrift“ und machen nur das Allernötigste. Da sie sich kaum einbringen, gehören sie zur höchst anfälligen Gruppe für psychosoziale Erkrankungen.

Hinter der Übung veränderbare und unveränderbare Welt verbirgt sich das Modell der Positiv-Negativ-Fokussierung. Es zwingt unser Gehirn, in positiven und negativen Bereichen zu denken und klar zu unterscheiden. Statt unklaren „Bedürfnis-Wolken“ gibt es danach konkrete Veränderungsziele und Möglichkeiten, diese in Angriff zu nehmen.

Das Modell der Positiv-Negativ-Fokussierung können Einzelpersonen ebenso anwenden wie Teams oder Organisationen. Es dient dazu

  • Prioritäten festzulegen
  • Strategien und Aktionspläne zu entwickeln
  • Zukunftspläne zu schmieden

Im Alltagsleben haben wir oft eine diffuse Wahrnehmung und ein diffuses Verständnis von unserer immer komplexer werdenden Umwelt. Der Blick auf unsere Möglichkeiten darin bleibt meistens gleich. Die Folge ist, dass die negativen Aspekte im Vordergrund stehen, weil sie sich stärker aufdrängen - bis hin zur Problemhypnose.

Unser Blick auf die veränderbare Welt zeigt Möglichkeiten, alternative Sichtweisen, Stärken, Chancen, Kompetenzen. Das fördert eine optimistische Haltung und hilft uns, neue Handlungsoptionen zu finden.

Zugleich ist der Blick auf die unveränderbare Welt wichtig: Wir müssen Schwächen, Fehler, Probleme erkennen, um differenzieren zu können. Wenn klar ist, was nicht verändert werden kann (z. Bsp. Alter, persönliche Vergangenheit, bestimmte Krankheiten), kann man es akzeptieren oder aber mittel- oder langfristig versuchen, eine Situation zumindest punktuell zu verändern.

Die Angst, Resignation, Apathie oder Depression seien die Folge, ist meist unbegründet. Da die positiven Aspekte mit betrachtet werden, gibt es eine Fülle von Anregungen, wie die Situation verbessert werden kann. Die Beschäftigung mit der unveränderbaren Welt kann Einsicht befördern und schließlich so viel Leidensdruck erzeugen, dass Veränderungen plötzlich doch möglich werden.

Menschen, die klar sind, haben auch die Kraft für Veränderung. Sie haben mehr Vertrauen in sich und ihre Möglichkeiten. Sie kennen ihren Freiraum für selbstverantwortliches Handeln und bringen sich kraftvoll, selbstbestimmt und kreativ ein. Sie denken mit und wollen wieder gestalten.

Die Akzeptanz des Unveränderbaren gibt ihnen die Freiheit, bestimmte Probleme loszulassen und ihre Kraft für Dinge zu verwenden, die tatsächlich veränderbar sind. Sie werden gelassener, weil Sie nicht mehr vergeblich gegen Windmühlen anrennen.

Petra-Alexandra Buhl

Die Entscheidung liegt bei Ihnen. In welcher der beiden Welten leben Sie lieber?

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