#rp15 Originale, gut positionierte Unternehmen werden überleben, schlechte Kopien sterben

Welche Kernwerte hat die EU? Hat sie überhaupt welche und wenn ja, wie lassen sie sich nutzen? Ali Jelveh, Co-Founder & Chief Revolutionary Officer der Protonet GmbH, hat sich für die #rp15 dazu Gedanken gemacht. "USA the Industry, China the Government, EU the People" hieß seine Session am ersten Tag der #rp15.

Ali Jelveh staunt darüber, dass in Europa die vorherrschende Frage bislang lautet: "Wie können wir von den USA, von China und Indien lernen?"

AliWeit verbreitet sind in der deutschen Mittelschicht die Abstiegsängste. Erst vorige Woche habe ich auf einer Veranstaltung einen schwäbischen Mittelständler erlebt, der glaubt, 70 Jahre nach Kriegsende gerate Deutschland ins Hintertreffen. Gemessen an China, Indien und den USA verfüge Deutschland über nicht genug Resilienz. Für die kommenden Herausforderungen durch technologischen und demografischen Wandel, Klimawandel sowie Digitalisierung und Globalisierung seien die Deutschen schlecht gerüstet. Sie seien nicht flexibel und nicht belastbar genug, verfügten nicht über ausreichende Widerstandskraft.

Ali Jelveh würde hier vehement widersprechen: "Kopieren ist total  lächerlich" - allenfalls sei dies der Weg in die Mittelmäßigkeit, schlimmstenfalls in den totalen Abstieg. Die Ängste der Mittelschicht will Jelveh nicht bedienen. Stattdessen sollten sich Deutschland und Europa genau positionieren, um erfolgreich zu sein: "Entweder ist man wirklich erfolgreich in dem, was man tut, oder es endet in einer totalen Katastrophe."

Deutschland und Europa müssten sich also überlegen, welche Kernmärkte bedient und welche Zielkunden angesprochen werden sollen. In Zukunft werde es immer wichtiger, wofür jemand stehe - ganz gleich, ob es Einzel-Personen, Unternehmen oder Staaten sind. Entscheidend sei, was jemand wolle und welche Gesellschaft sich jemand wünscht.

Die beiden bisherigen "Vorbilder für Kopien" USA und China taugten in mehrfacher Hinsicht nicht als Vorlage.  In den USA würde nach dem Motto "Freiheit in einem freien Markt" gewirtschaftet. Der Zielkunde sei jederzeit durch den "American Dream" und entsprechende Bilder ansprechbar.

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China dagegen sei sehr zentralisiert und nationalbewusst. Die Wirtschaft sei von dem Motto "Wir können preiswert und gut genug produzieren" beherrscht. Es brauche wenig Aufwand, um dort Kunden anzusprechen, da noch viele Konsum-Bedürfnisse nicht befriedigt seien.

Zwei Beispiele, die nicht als Vorbild für Europa taugten. Dennoch herrsche hier eine gewisse geistige Leere, man könne sogar auf mehreren Ebenen sogar von Depression sprechen: Welche Kern-Werte machen Europa aus? Mit welchen speziellen Dienstleistungen und Produkten sprechen die Europäer welche Kunden in anderen Ländern an? Ali Jelveh geht so weit, zu sagen: "Wenn Europa eine Marke wäre, würde es wahrscheinlich schon gar nicht mehr existieren." Ein Umdenken sei dringend erforderlich. In Europa könnten die Bürger entscheiden. Neue Technologien seien dazu da, Menschen zu stärken, sie zu ermächtigen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und unabhängig zu werden. Nicht zuletzt liege großes Potenzial in den Erfahrungen mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit, das genutzt werden könne. Allein dies seien großartige Werte, für die Europa stehe, aber es gebe noch eine ganze Reihe weiterer, die identifiziert werden und in Geschäftsmodelle umgesetzt werden müssten. Datenschutz sei eines der vielversprechenden Felder für die Zukunft, aber auch Gesundheitswirtschaft und Umweltschutz.

So gesehen, relativieren sich die Abstiegsängste der Mittelständler. Klar ist, das für die schlechten, veralteten und veränderungsunwilligen Unternehmen die letzten schlechten Jahre angebrochen sind. Sie tun gut daran, an ihrer organisationalen Resilienz zu arbeiten, ihre Strategie und ihre Positionierung zu erneuern. Als leistungsfähiges, qualitäts- und kundenorientiertes Unternehmen werden sie eher überleben, denn als schlechte Kopie.

Vielen Dank an Carsten Otte von Protonet für das Porträt-Foto von Ali Jelveh.

Petra-Alexandra Buhl

 

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