Luftschiff Zeppelin NT: Warum den „Helium Heads“ die Zukunft gehören könnte

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Ich hab´s getan, ich bin Zeppelin geflogen. Noch mehr als davor bin ich jetzt der Meinung, dass dieses faszinierende Fluggerät seine besten Zeiten erst noch vor sich hat.

Keine Angst - es ist nicht so, dass mir der sanfte Schwebeflug den Kopf verdreht hätte. Ich habe auch kein Helium geschnüffelt. Dass der Zeppelin Zukunft hat, kann ich mit handfesten Fakten belegen:

1. In spätestens 30 Jahren werden die fossilen Brennstoffe knapp

IMG_1839Die Schätzungen gehen auseinander, aber vermutlich reichen die derzeit bekannten Welt-Energiereserven an Erdöl und Erdgas 43 bzw. 66 Jahre und an Kohle circa 170 Jahre. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass der Energiebedarf in den nächsten Jahren noch weiter steigen wird - um rund 40%, da Länder in Asien und Südamerika eine rasante Industrialisierung anstreben. Die Versorgungslücken sollen durch geringeren Energieverbrauch, erneuerbare Energien und Kernenergie gestopft werden. Ob das gelingt?

Schauen wir uns das Luftschiff an. Traggas ist im Zeppelin von heute das nicht brennbare Edelgas Helium. Es verbindet sich nicht mit anderen Stoffen und hat eine fast 8-mal geringere Dichte als Luft. Ein Kubikmeter Helium kann ein Gewicht von einem Kilo heben. Der Verbrauch liegt bei 15 bis 20 Kubikmetern pro Tag. Ein Kubikmeter kostet 20 Euro.

Der Verbrauch an Flugbenzin beträgt zwischen 50 und 60 Litern pro Tag. Im Vergleich zu anderen Fluggeräten ist der Zeppelin vergleichsweise kostengünstig im Unterhalt. Denkbar wäre, ihn auf Solarantrieb umzustellen - technisch soll das möglich sein. Voraussetzung wäre, dass die Solarzellen kleiner und leichter als heute sind.

„Ich bin davon überzeugt, dass der Zeppelin einen Riesen-Aufschwung erleben wird, wenn die fossilen Brennstoffe knapp werden“, sagte der dienstälteste Pilot Fritz Günther auf dem Barcamp Bodensee #bcbs15. Er hofft darauf, dass es in den nächsten Jahren entsprechende Innovationen geben wird.

2. Der Zeppelin kann schon jetzt Dinge, die kein anderes Fluggerät kann. 

  • IMG_1840Er kann starten und landen wie ein Hubschrauber
  • Er braucht keine große Boden-Mannschaft und damit nicht viel Personal. Ein Pilot und ein Flugbegleiter wickeln den Flug ab. Vier Mitarbeiter am Boden kümmern sich um Start und Landung, Check-in und Zustieg der Passagiere.
  • Selbst wenn der Druck in der Fahrgast-Kabine schwankt, kann das Luftschiff noch sicher betrieben werden  (Man kann während der Fahrt sogar das Fenster öffnen)
  • Lärm und Vibration des Zeppelins sind minimal
  • Es sind senkrechte Starts und Landungen möglich, also zielgenaues Anpeilen von Standorten
  • Die Kabinen können flexibel ausgestattet werden
  • Das Luftschiff ist maximal manövrierfähig bei sehr hoher Flugsicherheit
  • Der Zeppelin kann Tag und Nacht auch bei Wind bis 130 km/h am Standort Friedrichshafen geparkt werden.

3. Fracht-Transport braucht Alternativen zu Straße, Schiene, Flugzeug

IMG_1851Seit dem Fall der Mauer 1990 haben sich die Verkehrsströme und Handelsmuster in Europa gravierend verändert. Laut der World Trade Organization (WTO) haben sich Exporte und Importe allein vom Jahr 2000 auf 2010 mehr als verdoppelt. 71% der Exporte blieben innerhalb des europäischen Kontinents.

Der Zeppelin hat bislang 1 600 Kilometer als längste Flugstrecke hinter sich gebracht. Fracht innerhalb von Europa zu transportieren bleibt eine Herausforderung: Straßen und Schienen sind überlastet, Wasserstraßen aufgrund der Pegel-Schwankungen unzuverlässig.

Die Überlastung bestimmter Straßen wird zum Engpass für den Güter-Transport, ebenso der Vorrang des Personenverkehrs bei der Deutschen Bahn zwischen sechs und 24 Uhr. Hier könnte der Zeppelin zum Einsatz kommen.

Der Zeppelin hat bislang 1 600 Kilometer als längste Flugstrecke hinter sich gebracht. Ist das Luftschiff als Fracht-Transporter aber nach dem Cargo-Lifter-Debakel nicht „gestorben“? Pilot Fritz Günther glaubt an die Technik und die Konstruktion: „Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass wir in den nächsten Jahrzehnten Fracht fliegen werden. Technologisch ist das gar keine Frage. Der Cargo Lifter ist aus meiner Sicht an ganz anderen Dingen gescheitert.“

4. Luftschiffe sind billiger als Hubschrauber für Spezial-Einsätze

IMG_1849Am Bodensee ist der Zeppelin fast ausschließlich für seine Passagier-Fahrten bekannt. Dabei hat das Luftschiff schon jetzt umfangreiche Einsätze in so genannten Sonder-Missionen:

  • als Überwachungs- und Aufklärungsplattform
  • für die Grenzsicherung - zum Beispiel im Auftrag für Frontex. Frontex dient als Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen der Mitgliedstaaten Europas.
  • Verkehrssteuerung

Pilot Fritz Günther ist bereits Einsätze für Frontex geflogen:

„Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich daran denke und das hier beim Barcamp Bodensee erzähle. Wir können beim Überfliegen der Küste 2 bis 3 Kilometer in die Ferne schauen und 1200 Kilometer aufs Meer hinausfliegen. Durch die niedrige Flughöhe können wir auch sehen, wie viele Menschen auf den Booten sind. Es wäre kein Problem, mit dem Zeppelin Menschen aus dem Wasser aufzunehmen.“

5. Einsätze in Forschung und Wissenschaft 

IMG_1853Schon jetzt wird der Zeppelin für unterschiedliche Projekte verwendet:

  • als Fliegendes Labor oder Messplattform
  • für die wissenschaftliche Forschung und für den Umweltschutz
  • für den Klimaschutz
  • für TV-Übertragungen

Zivil wird der Zeppelin als multifunktionale Plattform genutzt, für touristische Rund- und Streckenflüge, für Incentive-Programme und exklusive Firmenveranstaltungen, aber auch als große, fliegende Werbefläche mit rund 2000 Quadratmetern Oberfläche. Zurzeit wird eine LED Nachtwerbung für den Zeppelin entwickelt.

6. Komfortabel reisen 

IMG_1855Viele Menschen werden in Zukunft  anders reisen, sich abseits vom Massentourismus mehr Zeit nehmen wollen, um andere Länder oder Regionen zu entdecken. Mit dem Zeppelin zu fliegen, ist sehr komfortabel. Abgesehen vom Aufstieg fliegt er sehr leise. Während des Flugs können die Passagiere herumgehen und sogar die Fenster öffnen.

Bedingt durch die niedrige Flughöhe von 300 Metern bietet der Zeppelin einen sehr guten Blick auf die Landschaft. Mit bloßem Auge sind Bauwerke und Topographie erkennbar. Hier ein paar Impressionen: Der Zeppelin vor der Landung, zwei Schnappschüsse rund um Friedrichshafen sowie die Stewardess Susanne Perzinger, welche die Passagiere betreut.

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Hier gibt es Fotos und Texte zur Blogparade Faszination Zeppelin, die im Rahmen des Barcamp Bodensee veranstaltet wurde:

Mein erster Zeppelinflug. Friedrichshafen von oben und Begeisterung pur.

http://www.michaela-bodensee.de/2015/06/der-zeppelinflug-das-erste-mal-in-der.html

https://frappiri.wordpress.com/2015/06/14/zeppelin-yeah/

#Zeppelinflug – ein Rundflug um Friedrichshafen

Wer selbst Zeppelin fliegen möchte, findet hier alle Informationen dazu: http://www.zeppelinflug.de/de/

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„Wir sind Helium Heads, bei uns muss die Leidenschaft stimmen“,
sagt Pilot Fritz Günther. Die ist direkt ansteckend und überträgt sich auf die Passagiere. Luftschiffer zu sein, sei eine Lebenseinstellung. „Wir sind oft 30 bis 40 Tage irgendwo auf der Welt unterwegs. Da muss man sich auf die Crew verlassen können und gerne miteinander Zeit verbringen, sonst wird das nichts. Du musst das leben.“

„Zehn Jahre Grundlagenforschung und Entwicklung, dann könnte der Zeppelin zu einem massentauglichen Fluggerät werden“, sagt Fritz Günther.

Zu erfinden und zu entwickeln gibt es vieles. Zurzeit gibt es beispielsweise nur fünf Flugplätze in Deutschland, die Zeppelin-tauglich sind. Das Luftschiff braucht zur Landung einen Anker-Platz, der mindestens den ganzen Radius des Zeppelins umfasst, also 150 Meter. Das Luftschiff dreht sich nämlich immer in den Wind, ohne diesen Auftrieb kann es nicht starten.

Der Zeppelin braucht keinen Flugplatz. Als Landeplatz genügt eine hindernisfreie Fläche von 300 x 300 Metern Fläche mit befestigter Zufahrt. Der Anflug muss aus allen Richtungen gewährleistet sein. Welche Stadt/ Region möchte einen Zeppelin-Landeplatz bereit stellen?

Es gibt Anwendungsgebiete und Unternehmen, die vom Zeppelin und seinen technischen Möglichkeiten profitieren könnten.

Aufgepasst, Erfinder, Querdenker und Innovatoren: 

Wie könnte der Zeppelin kostengünstiger produziert werden?

Zurzeit kostet ein Zeppelin etwa 15 Millionen Euro, bis er fertig ist. Die dreiecksförmige Struktur besteht aus Querträgern aus Kohlefaser, Aluminium-Längsträgern sowie Aramid-Spannseilen. Insgesamt wiegt er damit rund 1 200 Kilo. Die Hülle besteht aus drei Schichten: Tedlar, Polyestergewebe und Polyurethan.

Welche Möglichkeiten gibt es, Solarzellen kleiner und leichter zu machen, damit der Zeppelin auf Flugbenzin verzichten und Sonnenenergie nutzen kann?

Petra-Alexandra Buhl

Wer noch ein bisschen Faszination Zeppelin erleben will, findet hier einen interessanten Film-Beitrag dazu:

Ein herzliches Dankeschön an Fritz Günther und Andrea Fischer, Leitung Marketing & PR, für das geduldige Beantworten aller Fragen und die professionelle Betreuung. Vielen Dank an die Deutsche Zeppelin-Reederei GmbH ZLT Zeppelin Luftschifftechnik GmbH & Co KG für das Sponsoring meines Fluges.

Für die fröhliche, kollegiale und inspirierende Gesellschaft an Bord des Zeppelins und auf der Erde danke ich Piri Robinson, Michaela Werner, Inge Veil-Köberle und Jürgen Keks. Ihm danke ich auch für die großzügige Erlaubnis, das Zeppelin-Selfie verwenden zu dürfen.

Die Blogparade Faszination Zeppelin hat Oliver Gassner im Rahmen des von ihm organisierten Barcamps Bodensee ausgerufen. Für seine Tatkraft und Unterstützung herzlichen Dank.

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