Archiv für den Monat: März 2016

Hoffnung als Impuls für Handlung: Wer ins Gelingen verliebt ist, wird mutiger und wagt etwas

Tod und Auferstehung von Jesus gedenken Christen zu Ostern. Ein guter Zeitpunkt, um über Hoffnung zu sprechen. Die Journalistin Kathrin Klette hat jetzt im März ein Buch darüber herausgebracht: „Hoffen - eine Anleitung zur Zuversicht“. Sie bezeichnet darin „Hoffnung als Element der Resilienz“. In diesem Interview sagt sie, wie Hoffnung entsteht, warum wir sie brauchen und wie sie unser Handeln bestimmt.

Bild

Frau Klette, warum lohnt sich das Hoffen?

Es ist eine sehr unsichere Zeit, in der wir leben. Die Terroranschläge in Brüssel zeigen uns das wieder: Es kann immer und überall passieren - vollkommen willkürlich werden Menschen zu Opfern, ohne Ankündigung. Wir werden heute mit neuen Unsicherheiten konfrontiert und müssen damit umgehen - nicht nur weltpolitisch, auch in Beziehungen und am Arbeitsplatz. Wir fragen uns: Wie kann ich stark und zuversichtlich bleiben? Was trägt mich? Wie kann ich mit einem guten Gefühl in die Zukunft gehen? Es ist die Hoffnung, dass etwas gut werden wird und dass der Einzelne selbst etwas dazu beitragen, sein Leben steuern kann.

Viele Menschen erlebe ich resigniert, manche verzweifeln sogar an der gegenwärtigen Lage. Kann man Hoffnung lernen? Hoffnung als Impuls für Handlung: Wer ins Gelingen verliebt ist, wird mutiger und wagt etwas weiterlesen

Fortschritt in Beziehung: Warum Narzissten in der neuen Arbeitswelt scheitern werden

Verliebt ins eigene Selbst, stolz und bedürftig nach Liebe und Bewunderung, gleichzeitig voller Ablehnung gegen andere Menschen - so soll Narziss gewesen sein. Die griechische Legende erzählt, er sei beim Anblick seines Spiegelbildes in einer Quelle ertrunken.

Aber Narziss ist nicht tot. In der Arbeitswelt ist er ein Massenphänomen, doch seine besten Tage sind gezählt: Viele Narzissten haben es zunehmend schwer, in Teams und Kooperationen zu bestehen. Sie kommen mit ihren Verhaltensmustern schneller als bisher an ihre Grenzen und stoßen auf Widerstand.

Projekte platzen und die Kunden bleiben weg

Der selbstständige Thorsten Ganter* (51) ist ein Beispiel dafür: „Bei mir läuft es nicht, dabei mache ich nichts anderes als früher.“ Vermutlich ist genau das ein Problem und die Art, wie er mit anderen kommuniziert. Mehrfach habe ich ihn in Gesprächen erlebt. Thorsten Ganter dominiert jedes Meeting, indem er schier endlose Monologe hält. Er fällt anderen ins Wort, reißt ihre Beiträge an sich, verkauft sie als eigene Leistung. Thorsten Ganter wertet andere ab und verträgt keinen Hauch von Kritik. Wenn er mit seinem Verhalten Konflikte provoziert, schiebt er die Schuld auf andere. Seine Kunden schätzen das natürlich gar nicht. Wer kann, geht ihm aus dem Weg. Projekte platzen, Kooperationspartner wenden sich ab, die Kunden bleiben weg.

Bild

Thorsten Ganter ist kein Einzelfall. Der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz hat 2012 „Die narzisstische Gesellschaft - Ein Psychogramm“ geschrieben. Darin postuliert er, dass wir gesunden Narzissmus als Basis für Selbstwert und Selbstvertrauen brauchen. Wenn aber die Balance fehlt, treten Narzissmus-Störungen in zwei Formen auf: Größenselbst-Narzissten mit übermäßiger Selbstliebe und Größenklein-Narzissten mit mangelnder Selbstliebe. Fortschritt in Beziehung: Warum Narzissten in der neuen Arbeitswelt scheitern werden weiterlesen

Werte-Welten Arbeit 4.0 : Warum es künftig nicht die eine neue Arbeitswelt geben kann

Bild 1

Wenn es um die Arbeit und die Wahrnehmung der Arbeitsbedingungen geht, ist Deutschland auch nach 25 Jahren Einheit deutlich gespalten: Im Westen Deutschlands geht es mehrheitlich darum, „frei von Druck und Sorgen arbeiten zu können.“ Im Osten steht „Geschwindigkeit und Effizienz erhöhen“ auf Platz 1. Im Südosten geht es demnach darum, sich „auf den wirtschaftlichen Erfolg zu konzentrieren und erarbeitete Privilegien zu genießen“.

Das sind nur drei von vielen Befunden der heute in Berlin vorgestellten Studie „Wertewelten Arbeiten 4.0“. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat sie bei der Bremer Nextpractice GmbH  in Auftrag gegeben. Nextpractice wurde vom 2015 leider viel zu früh verstorbenen Prof. Peter Kruse gegründet.

Für die Studie wurden 1 200 Personen befragt, darunter 1 000 Menschen mit Arbeit. Zwei Kontrollgruppen mit jeweils 100 Personen nahmen ebenfalls an der Studie teil. Ziel war, repräsentativ zu erheben, wie die Befragten die heutige Arbeitswelt erleben und welche sie sich in der Zukunft wünschen.

Ich fasse hier die für mich spannendsten Ergebnisse der 53 Seiten-Studie zusammen. Am Ende des Textes finden Sie den Link, unter dem Sie sich die komplette Studie herunterladen können. Viel Spaß beim Lesen! 😉

Übergreifend formulieren die Befragten Arbeitnehmer aus Deutschland folgende Sorgen: Werte-Welten Arbeit 4.0 : Warum es künftig nicht die eine neue Arbeitswelt geben kann weiterlesen

Praxis-Labor Unternehmensdemokratie: Vielleicht gerade jetzt nötiger denn je?

Ein halbes Jahr nach Erscheinen hat sich der Marketing-Staub gelegt. Andreas Zeuchs Buch „Alle Macht für niemand - Aufbruch der Unternehmensdemokraten“ nehme ich am Tag nach den Landtags-Wahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt wieder zur Hand.

Zeuch ist Erziehungswissenschaftler, Musiktherapeut und Unternehmensberater. Sein Verdienst ist, das erste Buch zum Thema Unternehmensdemokratie geschrieben zu haben.

Zeuch fragt: „Wieso macht die Demokratie vor den Toren der Arbeitswelt halt? Für viele ist die Demokratie gut und richtig, sie ist in Verfassungen und Grundgesetzen festgeschrieben. Sie gilt aber plötzlich nicht mehr, sobald man als Arbeitnehmer, egal ob Führungskraft oder Mitarbeiter, die Räume des Arbeitgebers betritt. Dann herrschen Bedingungen, die nur noch bedingt demokratisch sind.“ Praxis-Labor Unternehmensdemokratie: Vielleicht gerade jetzt nötiger denn je? weiterlesen

Bilder der Organisation: Der Organismus als Ideal für die Zukunft der Arbeit

Organisationen der Zukunft werden häufig als Organismus charakterisiert. Gerade hatte der „AugenhöheWege“-Film Premiere. Hier griff auch Christoph Haase von TELE Haase aus Wien auf das „Ideal des Organismus“ zurück, um seine Unternehmensvision zu beschreiben (in der Film-Version orange).

Grund genug, sich einen Klassiker der Organisationsberatung aus dem Regal zu nehmen und zu beschreiben, was sich hinter diesem Ideal-Bild verbirgt.

Das Buch „Bilder der Organisation“ von Gareth Morgan erschien 1996 zum ersten Mal. Der Ökonom Morgan schrieb damals, die Sichtweisen auf Organisationen und die Metapher, die wir für sie verwenden, seien wichtige Werkzeuge des Verstehens. Es gebe eine enge Beziehung zwischen unserer Denk- und Handlungsweise. Viele Organisationsprobleme seien direkt auf unser Denken zurückzuführen. Metaphern könnten helfen, bessere Interventionen zu finden, um Veränderung zu erzeugen. Bilder der Organisation: Der Organismus als Ideal für die Zukunft der Arbeit weiterlesen

Filmkritik AugenhöheWege weiß: Frisst die „Revolution in der Arbeitswelt“ ihre Kinder?

Was ich an der AugenhöheWege „Version weiß“ schätze:

„Ich bin nicht mehr kompatibel zu einem hierarchisch organisierten Laden - oder nur kurz“, sagt Florian Pommerin-Becht. So fasst der Therapeut seine Erfahrungen im Veränderungsprozess sysTELIOS Gesundheitszentrum Siedelsbrunn zu Beginn der „Version weiß“ zusammen.

Ausgehend von der Erfahrung, dass nicht alle Entscheidungen im großen Team getroffen werden müssen, haben die Mitarbeiter bei sysTELIOS eine OSO-Gruppe gebildet, die für die „Organisation der Selbstorganisation“ zuständig ist. Hier werden Entscheidungen vorbereitet und sortiert, welche gelingenden und welche schwierigen Muster es im Unternehmen gibt. Die OSO-Gruppe ist ein offenes Format, an dem jeder teilnehmen kann.

Trotzdem ist die Selbstorganisation eine Gratwanderung: Irritationen gibt es immer dann, wenn sich horizontale und vertikale Prozesse kreuzen. Das heißt, es gibt Mitarbeiter-Vorschläge, doch die Geschäftsführung nimmt plötzlich eine „Setzung“ vor und entscheidet, dass etwas so oder so gemacht werden muss. Dann werden aus Rückkopplungs-Schleifen Konflikte. Filmkritik AugenhöheWege weiß: Frisst die „Revolution in der Arbeitswelt“ ihre Kinder? weiterlesen

Filmkritik AugenhöheWege orange: Über die Mühen der Ebene beim Kontrollverzicht

Das Augenhöhe-Projekt wird größer: Am Freitag, 4. März, wurde die Premiere des neuen AugenhöheWege-Films in zehn Städten gefeiert, erstmals auch in Zürich und in Wien. Inzwischen kann man zwei AugenhöheWege-Filme im Netz anschauen: Die Versionen orange und weiß.

Einen Rahmen hat das Augenhöhe-Team auch diesmal nicht gesetzt. Wer sich wenig mit „Zukunft der Arbeit, New Work, Neue Arbeitswelten“ befasst, könnte Schwierigkeiten haben, einzelne Konzepte zu identifizieren. Aber sei´s drum. Hier geht es nicht um Perfektionismus, sondern darum, neue Wege überhaupt zu gehen. Die AugenhöheWege-Macher schreiben, die beiden Filme seien „kein best practise und kein Aufruf zu mehr Menschlichkeit in Unternehmen“.

Sehenswert und diskussionswürdig sind die Filme, weil sie

  • Inspiration für andere Unternehmen sind
  • Beispiele dafür bieten, wie Veränderung gelingen kann
  • Ideen für die Umsetzung liefern
  • Diskussionen in anderen Unternehmen anschieben
  • zeigen, dass schwierige Phasen überwindbar sind
  • ähnliche Prozesse in anderen Firmen anstoßen können

Je kleiner die Organisation, desto besser gelingen Veränderungen. Diese Erkenntnis ist nicht neu, zeigt sich in beiden Filmen aber wieder deutlich. Die noch hierarchisch organisierten Unternehmen

  • stellen die hierarchischen Positionen in den Vordergrund
  • die Führungskräfte bestimmen, welches Bild nach außen kommuniziert wird
  • „normale Mitarbeiter“ kommen nicht zu Wort

Was ich an der „Version orange“ schätze: Filmkritik AugenhöheWege orange: Über die Mühen der Ebene beim Kontrollverzicht weiterlesen

Blog-Kritik 02: Thomas Michl sieht Agilität und Resilienz als Schlüssel-Kompetenzen für die Zukunft

Bild

Thomas Michl ist ein echter „Lerner“: Wenn er ein Lied im Radio hört, kann es vorkommen, dass er ausgehend von ein paar Takten Musik zunächst in der irischen Geschichte landet und von dort eine ausgedehnte Schleife durch den amerikanischen Bürgerkrieg zieht, um sich schließlich bei Karl Popper festzulesen und über Erinnerungskulturen zu reflektieren. „Ich bin immer neugierig gewesen und war schon in der Schule ein wandelndes Geschichts-Lexikon“, sagt er und lacht. Irgendeine Information ist der Auslöser. Von dort geht es in konzentrischen Kreisen weiter von Thema zu Thema. So „ticken“ Wissensarbeiter.

Für Menschen wie Thomas Michl ist das Internet wie eine Offenbarung: Überall kann er seinem Wissensdurst sofort nachgeben und recherchieren, was ihn interessiert. Das ist viel: Im Moment sind es vor allem die Themen Irland und Whiskey, Agilität und Produktivität, Kultur und Verwaltung, Geschichte und Soziologie - und Alles, was sonst noch so im normalen Leben gerade „anfällt“. Thomas Michl arbeitet im Großraum Stuttgart in der öffentlichen Verwaltung und befasst sich hauptsächlich mit kommunaler Kultur und bürgerschaftlichem Engagement.

Thomas, was ist für Dich ein gelingendes Leben? Blog-Kritik 02: Thomas Michl sieht Agilität und Resilienz als Schlüssel-Kompetenzen für die Zukunft weiterlesen