Unsichtbare Revolutionäre: Wie die Generation Y den Babyboomern beibringt, was ein gelingendes Leben ist

Über die Generation Y wird viel geschimpft. Lothar Abicht dreht den Spieß um und schreibt, vor allem die Babyboomer könnten (und sollten) von den Jungen lernen. Deren Ansprüche an ein gutes Leben und ihre aus der demografischen Entwicklung stammende Macht veränderten die Arbeitswelt.

Auslaufmodell Babyboomer

Beide Generationen - Babyboomer und Generation Y - streben nach Selbstverwirklichung und sehen Arbeit nicht nur als Mittel zum Zweck.  Nachdem sie den 50. Geburtstag gefeiert haben, stellen viele Babyboomer fest, dass die Arbeit ihr Leben wesentlich geprägt hat - insbesondere bei den Männern. Sie dominieren die Schlüsselpositionen in Wirtschaft und Gesellschaft. Viele Frauen aus dieser Generation nehmen noch eher traditionelle Rollen ein und haben keine durchgängige Erwerbs-Biografie - trotz der Bildungsexpansion in den 60er und 70er Jahren.

Diese Alltags-Dominanz der „Alten“ bringt wohl auch die Generation Y dazu, ihre Selbstverwirklichung nur zum Teil in der Arbeit zu suchen. Sie setzen stattdessen auf

  • Unabhängigkeit
  • Flexibilität
  • Lebenslust
  • Mobilität

Während ihre Eltern für eine starke Leistungsorientierung, ein ausgeprägtes Pflichtgefühl, hohe Disziplin und große Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber stehen, wünscht sich die Generation Y

  • Individualität
  • mehr Balance zwischen Beruf und Privatleben
  • Mitbestimmung
  • gute Arbeitsbedingungen

Hierarchie, Sicherheit, Führungspositionen interessieren sie kaum.

Gegensätze ziehen sich an? Mitnichten. Was im Privaten gut klappt, sorgt im Beruf für Konflikte. Der Graben zwischen den Babyboomern und der Generation Y scheint unüberbrückbar. Aber Lothar Abicht räumt mit weit verbreiteten Vorurteilen auf - auch mit dem, dass sich Jung und Alt einfach nicht verstehen. Im Privatleben klappe dies sehr gut. Im Berufsleben müssten beide Generationen aufeinander zugehen, um eine gemeinsame Werte-Basis zu definieren.

Die unterschiedlichen Werte, die beide Generationen im Beruf entzweien, erklärt er mit festgefügten, aber verzerrten Bildern der Babyboomer. Diese gelte es zu überprüfen. Abichts Belege zeigen, dass die Realität dem weit verbreiteten Negativ-Blick auf die Jungen gar nicht stand hält. Weder sei die Generation Y so uninteressiert und unqualifiziert wie von den Älteren behauptet. Noch sei sie uninteressiert und gleichgültig.

Die heimliche Bewunderung und der Neid, den die Babyboomer der Generation Y im Stillen entgegenbringen, werde offiziell als Ablehnung dargebracht. Frech, faul und fordernd sollen die Jungen sein, ichbezogen, verwöhnt und mit mangelnder Kompetenz ausgestattet - so lautet das harsche Urteil vieler Babyboomer.

Die unterschiedlichen Werte kollidieren im Alltag und die Jungen stimmen mit den Füßen ab: Sie verlassen Unternehmen und Organisationen schnell wieder, in denen Babyboomer das Sagen haben und ihre persönliche Lesitungs-Gesinnung ausleben.

Im Moment stellen sich mehrere Fragen:

  • Was siegt am Ende: Der Veränderungswille der Ypsiloner oder die Beharrungskräfte in den Unternehmen?
  • Sind die neuen Arbeitsformen nur etwas für Avantgardisten oder kommen sie tatsächlich in den Unternehmen an?
  • Sind die alten Strukturen überhaupt reformierbar?

Unternehmen tun gut daran, sich damit auseinanderzusetzen. Sofern sie command and control-Kulturen haben, stellen sie fest, dass sie im Rennen um gute Fachkräfte den Kürzeren ziehen. Die Generation Y erwartet mehr als ein gutes Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten in einer Hierarchie. Sich mit der Arbeit voll zu identifizieren, sich uneingeschränkt zu engagieren und hohe Leistung zu erbringen, dazu sind die Jungen nur dann bereit, wenn die Arbeit bestimmte Bedingungen erfüllt:

  • Sinnvolle und attraktive Inhalte
  • Zeit-Souveränität
  • Ergebnisorientierung statt Anwesenheitspflicht
  • Freiräume
  • flexible Arbeitszeitgestaltung

Vertreter der Generation Y wissen genau, welche Zukunft sie erwartet:

„Ihre Lebensoptionen sind darauf gerichtet, die eigene Arbeitskraft

möglichst lange gut zu erhalten. Beide Optionen, die Teilung der Familienarbeit in der Partnerschaft und ein ungewisses Rentenkonzept, verbieten schon von selbst Formen der Arbeitsgestaltung, bei denen das erste Ausbrennen mit 40 und der erste Herzinfarkt mit 50 vorprogrammiert sind. (...) Viele Ypsiloner weigern sich, ihre Ressourcen ohne Einschränkungen in das Arbeitsleben einzubringen. Ich sehe es als eine vernünftige Vorsichtsmaßnahme an, die aus einer realistischen Einschätzung der Zukunft resultiert.“ Lothar Abicht

Was können die Babyboomer von der Generation Y lernen?

  • die eigene Leistungsfähigkeit erhalten und pflegen
  • individuelle Orientierung stärker über gewohnte kollektive Muster stellen
  • Bindungen an Arbeitgeber und Unternehmer nicht zu fest knüpfen
  • eigene Optionen immer wieder prüfen und managen
  • sich selbst entwickeln
  • Arbeitsbedingungen hinterfragen und für bessere sorgen
  • neue Herausforderungen in der Arbeit suchen
  • lebenslange Weiterbildung
  • Wechselbereitschaft

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BildSchade ist, dass in Abichts Buch insbesondere Kapitel 2 und 5 richtige „Zahlen-Wüsten“ geworden sind. Hier werden viele statistische Daten genannt, die in der Fülle langweilen. Weshalb sich der Verlag nicht entschieden hat, hier mit ansprechenden Grafiken oder Illustrationen zu arbeiten, erschließt sich mir nicht. Die Daten sind zweifellos interessant, die Aufbereitung jedoch achtlos.

Lothar Abicht: Unsichtbare Revolutionäre und stille Gewinner: Wie die junge Generation die Welt verändert und Generation 50plus gewinnt

Goldegg Verlag 2016

Petra-Alexandra Buhl

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