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„Demenz ist keine Krankheit: Demenzkranke sind die Flüchtlinge unserer Gesellschaft“


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„Demenz beschert der Antwort-Gesellschaft etwas, das sie dringend nötig hat, nämlich dass es nicht auf Alles eine Antwort gibt“, sagt Prof. Dr. Reimer Gronemeyer. Beim 3. Demenzkongress in St. Gallen hielt der streitbare Theologe und Soziologe aus Gießen einen amüsanten Vortrag, der viele vermeintliche Wahrheiten über Demenz über den Haufen warf.

Demenzkranke und ihre Angehörigen, Pfleger, Betreuer und Ärzte spricht der Provokateur Gronemeyer an, wenn er behauptet: „Demenz ist keine Krankheit“. Aus der Alterserscheinung eine Krankheit zu machen, erlaube es jedoch, sie in die medizinisch-pflegerische Ecke abzuschieben. Dann sei Demenz eine Sache der Ärzte und Pflegekräfte, um die sich die Gesellschaft nicht weiter kümmern müsse.  „Demenz ist keine Krankheit: Demenzkranke sind die Flüchtlinge unserer Gesellschaft“ weiterlesen

Drei Frauen erforschen wie wir gesund alt werden, was Nervenzellen lieben und ob unsere Methusalem-Gene funktionieren

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Frauen fragt man nicht nach ihrem Alter, nein, auch nicht als Frau. Ich wette aber, dass diese drei freundlichen Forscherinnen aus Baden-Württemberg älter sind, als sie aussehen.  Sie erforschen, wie Menschen gesund altern können und ich bin mir sicher, sie wenden direkt an, was sie herausfinden. Welch ein Glück, dass ich alle drei zufällig auf der Nobelpreisträger-Fahrt 2015 treffe. Ich hoffe, ich gehe mit dem Geheimnis der ewigen Jugend nach Hause 😉

Dr. Ute Mons (links) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg. Olivia Küster (Mitte) promoviert seit Juni 2011 im Bereich Altern und Demenz am Lehrstuhl für Klinische und Biologische Psychologie der Universität Ulm. Seit Oktober 2012 ist sie Mitarbeiterin in der Neuropsychologie an den Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU). Die jugendliche blonde Frau ganz rechts im Bild ist die Oberärztin Prof. Dr. Christine von Arnim von der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Ulm. Sie ist die Leiterin der Gedächtnisambulanz.

Prof. Dr. Christine von Arnim forscht seit Jahren rund um das Thema Neurodegeneration: Das sind Krankheiten, die zwar langsam fortschreiten und teils sogar nur sporadisch auftreten. Das ändert aber nichts an den massiven Beeinträchtigungen der Erkrankten und den schwerwiegenden Folgen für sie und ihre Angehörigen. Zu den neurodegenerativen Krankheiten gehören beispielsweise Demenz, Parkinson, die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS).

Natürlich möchte ich von der Professorin wissen: „Wie schaffe ich es, gesund alt zu werden?“ In meinem Fall heißt das: Gesund alt werden, ja. Aber bitte nicht zum Preis von fünf Mal Fitness-Studio pro Woche, Dauer-Diät, strengen Vorschriften und Verzicht auf alles, was ich genieße.

Ich halte es wie Cicely Saunders: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ Lebensqualität kommt bei mir vor Selbstkasteiung. Ja, ich gebe es zu. Jetzt ist es raus 😉

Zum Glück ist die Professorin ganz und gar nicht streng mit mir. Ja, sie macht mir sogar Hoffnung, dass ich eine reelle Chance habe und im allerbesten Alter bin, um die Weichen richtig zu stellen: „In der Mitte des Lebens kann man am allermeisten dafür tun, gesund alt zu werden“, sagt sie und lächelt charmant. Also los:

IMG_13811. Geistig aktiv bleiben - egal, womit. „Es muss Spaß machen, damit das Gehirn einen Anreiz hat, sich mit Neuem zu beschäftigen. Das Gehirn merkt es sofort, wenn Sie sich quälen. Dann bleibt der positive Effekt aus“, sagt Prof. Dr. Christine von Arnim. Es bringt übrigens nicht mehr viel, erst im Alter von 70 oder 80 Jahren Neues anzufangen, um eine bereits diagnostizierte Krankheit in ihrem Lauf aufzuhalten. Geistige Aktivität muss schon viel früher zur Gewohnheit werden.

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“Führung ist Beispiel”

Marcus Klug vom Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) an der Universität Witten/Herdecke hat mich zum Thema "Führung im Gesundheitswesen", eigene Stressbewältigung und Resilienz  interviewt. Marcus Klug arbeitet am DZD als Kommunikationswissenschaftler und Social Media Manager und betreut das Projekt Wissenstransfer 2.0. Es wurde bereits mit dem Agnes-Karll-Pflegepreis 2013 ausgezeichnet. Sein Schwerpunkt liegt auf Wissenskommunikation im Social Web. Daneben betreibt er als hauptverantwortlicher Redakteur seit Mai 2012 zusammen mit Michael Lindner Digitalistbesser.org: Plattform für Veränderung und lebenslanges Lernen. Kontakt: .

Hier ist das Interview zu lesen:

“Führung ist Beispiel”, sagt Petra-Alexandra Buhl – Supervisorin und Organisationsentwicklerin. Die Welt, in der wir leben, verändert sich gerade rasant. Technologischer Fortschritt, demographischer Wandel, schwindende Märkte und Globalisierung. Verantwortliche im Gesundheitssektor müssen lernen, Macht und Verantwortung abzugeben. Auf der anderen Seite geht es um Bewältigungsstrategien im Umgang mit Stress, so wie in der Pflege von Menschen mit Demenz.

Petra-Alexandra Buhl beschäftigt sich seit 25 Jahren mit dem Thema Resilienz, also der Frage, wie man über einen längeren Zeitraum trotz großer Herausforderungen, in anstrengenden Umbrüchen, Krisen oder während schwerer Krankheit “bei der Stange“ bleibt. Persönlich hat sie bereits mit 21 Jahren eine schwere Krebskrankheit überwunden und kennt sich daher mit dem “Gedeihen trotz widriger Umstände” ziemlich gut aus. Im Vorfeld zum Interview verriet sie mir außerdem, dass sie das Thema Demenz aus dem eigenen familiären Umfeld kennt und daher auch gut einzuschätzen weiß, wie schwierig der Spagat sein kann, den Pflegende häufig machen müssen. Beruflich verfügt Buhl über viele Jahre Führungserfahrung, etwa als Redaktionsleiterin bei Tageszeitungen. Als Supervisorin und Organisationsentwicklerin hat sie zudem über 3.000 Menschen in Trainings, Workshops und Großgruppenveranstaltungen begleitet – darunter auch viele Führungskräfte aus dem Gesundheitssektor.

Im Interview geht es neben der Frage nach Bewältigungsstrategien im Umgang mit Stress vor allem um Führungsfragen. Heute, so Buhl, werden “Selbstverliebte Despoten (…) nicht mehr gebraucht”. Führungskräfte müssen stattdessen lernen, mit hoher Komplexität umzugehen. “Sie brauchen Wissen über Verhalten, Gruppendynamik, Umgang mit Emotionen in Veränderungsprozessen”. Wie diese Art von Führung zum Gesundheitssektor passt, der in Deutschland nach wie vor eher vertikal hierarchisiert ist, war dann in diesem Zusammenhang auch eine Frage, die mir auf den Lippen lag. So gesehen haben wir heute zwei Extreme: die Forderung nach “Führung ohne Führung” auf der einen Seite und tendenziös starre vertikale Hierarchien auf der anderen Seite.

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Frau Buhl, in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins brand eins geht es um Führung (Heft 03 / März 2015). “Wer braucht noch einen Chef?”, so lautet die provokante Frage. Welche Herausforderungen kommen heute auf Führungskräfte zu?

Führung war noch nie so spannend und zugleich so anspruchsvoll wie heute. Selbstverliebte Despoten werden sicher nicht mehr gebraucht. Es ist heute eine zentrale Führungsaufgabe, den Sinn einer Arbeit herauszustellen, Werte und Normen zu vermitteln. Alle Führungskräfte müssen lernen, mit hoher Komplexität umzugehen. Die Welt, in der wir leben, verändert sich rasant. Technologischer Fortschritt, demographischer Wandel, schwindende Märkte und Ressourcen, Klimawandel und Globalisierung fordern uns heraus. Das schafft Raum für mehr Kreativität und Innovation in Organisationen. Doch Führungskräfte müssen jetzt permanent Veränderungen steuern und Raum für Lernprozesse schaffen, damit Mitarbeiter dem Wandel auch mental hinterher kommen. Das ist nicht leicht. Menschen haben vor Veränderungen Angst, wenn sie fürchten, dass sie davon überwältigt werden, weil ihre Kompetenzen und Kräfte nicht ausreichen. “Führung ist Beispiel” weiterlesen